Neue Rezension  

Cover: KonstellationenNeu in meiner Bibliothek:
"Gustav Freytag - Konstellationen des Realismus"
von Philipp Böttcher


Hier die Rezension dazu

   

Aktuelle Rezension  

Cover: Julian SchmidtHier eingestellt:
die Rezension von Bernt Ture von zur Mühlen zum neuen Buch von Norbert Otto:

"Julian Schmidt. Eine Spurensuche"

   

Bewertung: 2 / 5

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„Aber laßt, ich beschwöre Dich, Theodor, den Gedanken an den Verlust nicht herrschend in Euch werden. Die Gottheit hat uns nicht in die Welt geschickt, um rückwärts zu sehen, sondern in die Zukunft. Und wie viel Euch ein unerforschlicher Rathschluß genommen, er hat Euch eine Fülle solcher Pflichten hinterlassen.“
(Seite 157, Gustav Freytag in einem Brief an Theodor Molinari)

  Cover: Gustav Freytag (Biographie)Zum Inhalt

Aus Anlaß des 200. Geburtstages von Gustav Freytag am 13. Juli 2016 ist mit diesem Buch die erste umfassende (Verlagsangabe) Biographie des meistgelesenen Schriftstellers des 19. Jahrhunderts erschienen. Von der Jugend bis hin zu seinem Tode zeichnet der Autor anhand zahlloser Dokumente und Berichte von Zeitgenossen ein lebendiges Bild des Dramatikers, Romanciers und Publizisten, der sowohl durch seine Werke als auch seine persönlichen Beziehungen großen Einfluß ausübte. Dabei wird deutlich, daß das Bild, das heute weithin vorherrscht, vielfach zu einseitig und oft nicht zutreffend ist.

 

 

 

Meine Meinung

Es mag gut vierzig Jahre her sein, daß mit der Name Gustav Freytag zum ersten Mal begegnet ist. Ich entsinne mich, daß ich „ein dickes Buch“ lesen wollte und daraufhin den Bücherschrank meiner Eltern inspizierte. Schon seit längerem war mir ein Buch mit ziemlich dickem Buchrücken, Zierrand oben und unten sowie der Aufschrift „Freytag - Die Ahnen“ aufgefallen. 1.308 Seiten war eindeutig „dick“, die Frakturschrift konnte mich nicht schrecken. Und so begann denn meine „Bekanntschaft“ mit Gustav Freytag - die sich zu einer wohl lebenslangen „Beziehung“ entwickeln sollte. Denn bald darauf las ich ein Buch, das bis heute den Status des absoluten Lieblingsbuches gegen jegliche „Angriffe“ verteidigt hat: „Die verlorene Handschrift“.

Gustav Freytag war einer der, wenn nicht sogar der meistgelesene Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Um so erstaunter war ich festzustellen, daß es bisher anscheinend keine umfassende (und auch kritische) Biographie über ihn gibt. Aus Anlaß des 200. Geburtstages des Schriftstellers am 13. Juli 2016 ist nun diese Lebensbeschreibung erschienen. Das Buch hat eine sehr gediegene Ausstattung und ist in Fadenheftung gebunden! Dieser hervorragende Eindruck wird nur durch wenige Satzfehler getrübt, von denen allerdings zwei Tippfehler in Jahreszahlen auffallen müssen, denn weder wurden die Düppeler Schanzen am 18. April 1964 erstürmt (S. 180) noch ist Emilie Freytag im Jahre 1475 verstorben (S. 217). Aber damit bin ich mit meinen kritischen Äußerungen schon am Ende.

Der Biograph zeichnet im Verlauf des Buches ein Bild von Gustav Freytag, das auch dessen eher negative Seiten nicht ausläßt. Dennoch hatte ich auf keiner Seite das Gefühl, daß es ihm darum ging, Freytag von einem Podest zu stoßen oder ihn zu diskreditieren. Von zur Mühlen gibt in seinem Lebensbild eine Darstellung, die sich um große Objektivität bemüht und nicht wertet. So entsteht das Bild eines Mannes, der zeit seines Lebens recht zielgerichtet seine Pläne verfolgte. Wie groß sein direkter Anteil an der Verwirklichung seiner politischen Träume (der kleindeutschen Lösung unter der Führung Preußens) wirklich war, sei dahingestellt. Unzweifelhaft ist, daß er durch seine publizistische Tätigkeit einen großen Einfluß auf die Kreise, die wir heute als „Elite“ bezeichnen würden, hatte.

Das Buch ist in vier große Abteilungen, die sich an wesentlichen Stationen im Leben Freytags ausrichten, eingeteilt, innerhalb derselben dann in Kapitel, deren Überschriften hintereinander gelesen schon einen groben Überblick über das Leben Freytags geben. Die Biographie ist flüssig und gut, an keiner Stelle trocken oder gar mühsam lesbar geschrieben. Ich habe sie eher wie einen Roman denn ein Sachbuch empfunden; und wie in einem Roman hat sich ein Lesesog eingestellt, der es schwer machte, das Werk zur Seite zu legen.

Immer wieder huschte ein Lächeln über meine Lippen, wenn ich aus der Beschreibung mancher Lebenssituationen und auftauchenden Personen erahnen konnte, wie Freytag die in seinen Romanen verarbeitet hatte. So war in Theodor Molinari unschwer das Vorbild für den Kaufmann T. O. Schröter in „Soll und Haben“ erkennbar. Während die Erwähnung eines Grenzboten-Artikels über einen Betrüger, der gefälschte Manuskripte an die Leipziger Universitätsbibliothek verkauft hatte, unweigerlich an ähnliche Vorgänge in der „Verlorenen Handschrift“ denken ließ (vgl. S. 147f).

Freytag hatte zwar zeitlebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, lebte jedoch nach dem von ihm in seinen Romanen beschriebenen Arbeitsethos, so daß er ein gewaltiges Pensum schaffte und oft 16 Stunden am Tag an seinem Schreibtisch zuhause oder in der Redaktion seiner Zeitschrift saß, an manchen Tagen sogar mehr. Es wird aber auch deutlich, daß er nicht unbedingt ein leichter Zeitgenosse war. Er hatte ein ausgesprochenes Selbstbewußtsein, der Umgang mit ihm war sicher nicht immer einfach.

Die Märzrevolution 1848 wurde zum Bruch in seiner Biographie. War es bis dahin sein Ziel, als Dramatiker seine Botschaft unters Volk zu bringen, so hat er zu einer Zeit, da Schriftsteller und Gelehrte die Redaktionsstuben von Zeitungen verließen, den umgekehrten Weg beschritten, und hat zusammen mit Julian Schmidt die Herausgeberschaft der „Grenzboten“ übernommen und damit großen Einfluß erreicht. Während seiner Grenzboten-Zeit und auch danach war er weiterhin als Schriftsteller tätig. Mit dem Honorar für die fünfbändige Ausgabe der „Bilder aus der Deutschen Vergangenheit“ erzielte er das bis dato höchste je vereinbarte Honorar in der Geschichte des deutschen Buchhandels (vgl. S. 194). Was andeutet, daß er durch seine Honorare ein sehr hohes Einkommen hatte, welches ihm ein finanziell sorgenfreies Leben ermöglichte.

Relativ wenig findet man in diesem Buch über das Privatleben Freytags; das ist allerdings der Tatsache geschuldet, daß darüber kaum etwas bekannt ist. Freytag äußerte sich nur selten darüber und schirmte seine Privatsphäre auch gegenüber seinem engsten Bekanntenkreis ab. Seine erste Frau starb nach mehrjährigen Leiden, das vermutlich Altersdemenz war, im Jahre 1875; auch seine zweite Frau, die er später heiratete und mit der er zwei Kinder hatte, wurde psychisch krank und schließlich in eine geschlossene Anstalt eingeliefert. Erst mir seiner dritten Frau Anna Strakosch erlebte er nochmals einige wenige glückliche Jahre, bevor er 1895 im Alter von 79 Jahren starb.

Am Ende angekommen, hatte ich in der Tat das Gefühl, ein ganzes Leben mit durchlebt zu haben. Bernt Ture von zur Mühlen hat eine Biographie Freytags vorgelegt, die ein - soweit das möglich ist - umfassendes Bild des Schriftstellers entwirft, dabei auch dessen negative Seiten nicht ausspart und sich einer Wertung enthält. Alles in allem habe ich nun eine recht gute Vorstellung vom Autor meines Lieblingsbuches, der in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt hat. Ob er heute zurecht nur noch wenig bekannt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat diese überaus lesenswerte Biographie Lust gemacht, wieder einmal in den Werken Freytags zu blättern und das eine oder andere Buch mit einem vertieften Verständnis zu lesen.

Mein Fazit

Eine durchaus kritische, sehr lesenwerte Biographie über den meistgelesenen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.

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Über den Autor

Bernt Ture von zur Mühlen wurde 1939 in Danzig geboren und hat Literatur, Theaterwissenschaften, Politikwissenschaft, Geschichte und Volkskunde studiert. Er war als Gymnasiallehrer tätig und hat etliche buchwissenschaftliche Publikationen sowie eine Biographie zu Hoffmann von Fallersleben veröffentlicht.

Bibliographische Angaben

272 Seiten, 12 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag. Zeittafel, Werkverzeichnis, Bibliographie
Verlag: Wallstein Verlag, Göttingen 2016

   

Kurz-Biographie

Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde.

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Kurz-Biographie

Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde.

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Die Ahnen 1: Ingo und Ingraban

Frei hat Gott die Menschen geschaffen, damit diese sich selbst ihr Schicksal bereiten. (Ingraban, Seite 251)

Cover: Gustav Freytag AusgabeZum Inhalt

Ingo
Im Jahre 357 gelangt der Königssohn der Vandalen nach einer Schlacht mit den Römern, denen er die Fahne entrissen hat, zu den Thüringen. Dort findet er zunächst gastliche Aufnahme, die auch auf seine später hinzukommenden Gefährten gilt. Als er sich jedoch in die Tochter des Fürsten verliebt und diese sich ihm zuwendet, zieht Unheil am Himmel auf, denn die Eltern sind gegen diese Verbindung. Und dann senden die Römer ihre Boten und fordern Ingos Kopf.

Ingraban
Die Zeiten haben sich seit Ingos Tagen geändert. Im Jahre 724 geleitet sein Nachfahre Ingraban einen ihm seltsam scheinenden Fremden und dessen Begleiter in seine thüringische Heimat. Dieser kommt, um für seinen Gott zu werben. Es ist Winfried, vom Papst zum Bischof geweiht, der die Lande für das Christentum erobern will. Es ist die Zeit, da der alte mit dem neuen Glauben ringt, da die Franken ihre Macht ausdehnen und sich vieles zu ändern beginnt. So bleibt es nicht aus, daß Ingraban zwischen die Fronten gerät.

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Die Blume des Weins

1.

Der Wein, die liebliche Pflanze, ward hoch vor andern geehrt,
Ihr hat der müde Schöpfer zwei Blüthen im Jahre beschert,
Die ein' am Rebenstocke bei Sonnenlicht und Pracht,
Die andere tief im Keller in finstrer Mittternacht.
Die erst' in freien Lüften ist klein mit zartem Duft,
Die zweit' im Faß verborgen, erfüllt mit Balsam die Luft.
Wir fühlen die Kraft der Blumen am weingefüllten Glas,
Die Küfer aber verstehen das geistige Blühen im Faß,
Sie ahnen die tief Verborgene, sie scheuen das heimliche Leben,
Den nächtlichen Duft im Keller, und fürchten die Blume der Reben.
Doch ist ihr alter Glaube, bei hundertjährigem Wein
Soll einmal auch für Menschen die Pflanze sichtbar sein.

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Die Handschriften von Arborea

In den letzten Jahrzehnten kam zu Oristano auf der Insel Sardinien eine größere Anzahl Handschriften und Brieffragmente auf Pergament und Papier zum Vorschein, deren Inhalt die größte Bedeutung für Geschichte und Alterthümer der Insel beanspruchte. Die Documente waren ihrem Inhalte nach aus fast jedem Jahrhundert unserer Zeitrechnung, vom achten bis sechzehnten, darunter auch ein Palimpsest; sie enthielten eine Fülle von Thatsachen über die Geschichte und die Zustände der Insel Sardinien durch das ganze Mittelalter, die ältesten Proben italienischer Sprache in Vers und Prosa, Lebensgeschichten berühmter Sarden u.s. w.; sie erschienen als Bestandtheile einer Sammlung, welche beim Erwachen der Humanitätsstudien ein literarisch gebildeter Sarde angelegt hatte. Im Jahre 1846 wurde das erste dieser Documente, 1863 die ganze Sammlung unter dem Titel: Pergame, codici e fogli cartacei di Arborea von Pietro Martini in stattlichem Werke herausgegeben. Die Sache machte großes Aufsehen, zumeist in Italien, die Bereicherung unseres Wissens war plötzlich und auffallend, die ganze Culturgeschichte des italienischen Mittelalters erhielt ein verändertes Aussehn.

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